Stalingrads Madonna lebt

Achzig Kilometer an der Wolga entlang zieht sich die heutige Mil­lionenstadt Wolgograd. Von 1925 bis 1961 hieß sie Stalingrad. Sie liegt 1000 km südöstlich von Moskau. In Stalingrad kapituliert Anfang Februar 1943 die 6. deutsche Armee. 108.000 deutsche, rumänische und kroatische Soldaten geraten in Gefangenschaft. Die allermeisten kommen um.

Sechs Wochen zuvor. Dr. Kurt Reuber, Arzt und ev. Pfarrer, hockt am Heiligabend mit seinen Soldaten in einem der armseligen Bunker von Stalingrad beisammen. Auf ei­nem kleinen Tisch steht eine brennende Kerze. Eine andere flackert auf einem Holzscheit, das in die Lehmwand des Bunkers getrieben ist. Darüber hängt eine große Kohlezeichnung, auf die Rückseite einer Landkarte gemalt: Maria mit dem JESUS-Kind.

Links neben ihr ist in Worten das unaufhaltsame Schicksal der 6. Ar­mee festgeschrieben: Weih­nachten im Kessel. Die Soldaten wissen: Der Marsch in die grausame Gefangenschaft, vielleicht in den Tod, steht bevor. Rechts von der Madonna hat Pfr. Dr. Reuber, die Leitworte des Johannes-Evangeliums niedergeschrieben:

„Licht, Leben, Liebe.“

Wenige Tage später übergibt Dr. Reuber am Feldflughafen Pitomnik die Stalingrad-Madonna seinem Freund Heinrich Credé, der in die rettende Heimat ausgeflogen wird. Zugleich schickt der Pfarrer sein Selbstbildnis und einige seiner Zeichnungen von russischen Menschen seiner Frau ins Pfarrhaus von Wichmannshausen im Nordhessischen. Dazu schreibt er: „Licht, Leben, Liebe, diese Worte werden zu einem Symbol, einer Sehnsucht nach allem, was äußerlich so wenig da ist.“ Unter seinem Selbstbildnis:

„Unfertig, da Kommandeur eben mitteilt, daß er sofort abfliegt.“

Reuber hatte lange mit sich gerungen, welchen Berufsweg er einschlagen sollte. Entscheidend für ihn wurde eine Begegnung mit Albert Schweitzer († 1965), dem Missionsarzt und späteren Friedensnobelpreisträger (1952). Mit ihm verband Reuber eine tiefe Freundschaft, so daß Schweitzer Pate seines Sohnes wurde.

Doktor Reuber sah seine Frau und seine Angehörigen nie wieder. Im Januar 1944 starb er in einem Lager im Kaukasus. Von den etwa 50 Bildern, die dort, inmitten aller Not, entstanden, gelangte nur noch die „Gefangenen-Madonna“ in die Heimat. Die anderen Bilder sind verschollen.

Ausgestellt in Berlin

Die „Stalingrad-Madonna“ hängt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin. Familie Reuber hat das Bild dorthin gegeben, wo es vielen Besuchern eine Verkündigung des Friedens durch JESUS und Maria sein kann. Vielen Christen ist nicht bewußt, daß wir ohne Maria JESUS nicht hätten. GOTT respektiert die Freiheit seiner Geschöpfe so sehr, daß ER den Engel Gabriel als Brautwerber zu Maria sendet. Erst nachdem diese erklärt hat: „Ich bin die Magd des HERRN. Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38), kommt der HEILIGE GEIST auf Maria herab und erfüllt sie, so daß sie als Jungfrau – „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1,34) – Mutter JESU wird.

Mutter für immer

Es ist also keineswegs überzogen formuliert, wenn Christen überzeugt sind, daß uns alle Gnadenhilfe GOTTES über Maria zufließt. Mutter zu sein, ist aber nicht nur die Bezeichnung für die Stunden der Geburt, sondern bleibend für das ganze Leben, ja für die Ewigkeit. Deshalb wird Maria biblisch gegrüßt mit dem Wort: „Du bist voll der Gnade“ (Lk 1,28). Maria selbst darf in ihrem großen Gebet, dem Magnificat (Lk 1,48), aussprechen: „Selig preisen mich von nun an alle Geschlechter“. Wer das bewußt unterläßt, wendet sich gegen ein biblisches Wort.

Schon in der Urkirche, als aus dem Marien-Haus, an die heutige „Felsgrotte“ in Nazareth angebaut, eine Kapelle entsteht, schreibt ein Christ auf eine der Säulen auf griechisch: „Sei gegrüßt, Maria!“. Wer sich deshalb an Maria als Fürbitterin bei JESUS wendet, geht denselben Weg, den GOTT gewählt hat. Pfarrer Reuber sah Maria mit dem Kind als Friedensbringerin.
W.P.

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