Warum verfolgst du MICH?

Jeder ist nur Verwalter. Ich-Bewußtsein und Eigenwillen täuschen: Keiner gehört sich selbst. Freiheit haben wir nur im Rahmen der großen Leitlinien, die GOTT aus Liebe für jeden festgelegt hat.

Zum Beispiel Saulus. Der Lebensspender ergreift ihn, wirft ihn zu Boden: „Warum verfolgst du MICH?“ (Apg 9, 16). Und dann: „ICH will ihm zeigen, wieviel er um Meines Namens willen leiden muß!“ (Apg 9,16).
Die Begegnung mit CHRISTUS verwandelt ihn völlig, macht aus dem Christenverfolger den CHRISTUS-Verkünder. Eine solche Damas­kus-Stunde erleben nur wenige: GOTT sieht deren völlige Hingabe voraus. Wir anderen haben uns mit bescheideneren Bekehrungs-Erlebnissen zu begnügen, etwa einer Beichte.

Wenn es DICH gibt

Einer, der dieselbe Frage wie Saulus aus dem Licht heraushören darf, ist Sundar Singh, einer der berühmtesten Söhne Indiens. Als er 16 Jahre alt ist (1904), geht er eines Abends zu seinem Vater: „Ich will dir Lebewohl sagen, morgen früh wirst du mich tot finden.“ – „Warum willst du dich töten?“, fragt der Vater. „Weil der Hinduismus meine Seele nicht befriedigen kann, noch Geld, noch Behaglichkeit, noch irgendeines der Güter dieser Welt. Dein Geld kann die Wünsche meines Körpers befriedigen, aber nicht meine Seele.“
Frühzeitig, um 3 Uhr, steht Sundar auf, nimmt, wie es Hindu-Sitte ist, ein kaltes rituelles Bad und beginnt, GOTT anzuflehen, ihm den Weg zum Heil zu zeigen: „Wenn es DICH gibt, zeige mir den rechten Weg! Wenn DU willst, werde ich auch als bettelnder Asket leben!“ Sundar betet, ohne aufzuhören. Plötzlich, gegen halb fünf, gewahrt er ein großes Licht. Er glaubt, das Haus stehe in Flammen und öffnet die Tür. Doch es ist kein Feuer. Er betet weiter. Da sieht er in einer Lichtwolke das liebesstrahlende Gesicht eines Menschen. Sundar meint, es sei Buddha oder Krishna oder eine andere Gottheit. Da hört er die Worte: „Warum verfolgst du MICH? Gedenke, daß ICH für dich MEIN Leben am KREUZ dahingab.“

Unbeschreibliche Seligkeit

Da entdeckt er die Wundmale JESU – jenes JESU, den er vor wenigen Tagen noch so glühend gehaßt hat. Im Gesicht JESU aber kein Zorn. Da begreift Sundar: „JESUS lebt!“ Später erklärt er: „Die Seligkeit jener Stunde kann ich nicht beschreiben.“ Voll Freude weckt er seinen Vater: „Ich bin Christ!“ Sein Vater und seine Familie glauben, Sundar ist verrückt geworden, und verstoßen ihn. Ohne Besitz zieht er durch Indiens Dörfer und verkündet: „JESUS ist von den Toten auferstanden! Er lebt!“ Viele werden Christen. Mehrere Mordanschläge überlebt er. Sundar wird nach Deutschland und in die Schweiz eingeladen. Hier kritisiert er den Materialismus und mangelnde geistliche Tiefe. 1929 geht er nach Tibet. Dann verlieren sich seine Spuren. Er gilt als verschollen.

Großer Menschenfischer

Sundar Singh erreicht viele Menschen, schreibt auch ein Buch: „Mit und ohne CHRISTUS“. Er läßt sich von GOTT in Dienst nehmen, über alle Hindernisse hinweg. Wer Christ sein will, muß loslassen können, muß die völlige Selbst-Übergabe an GOTT vollziehen: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um Meinetwillen und um der Heilsbotschaft willen, der wird es retten.“ (Mk 8,35). GOTT gibt sich nicht mit Halbherzigen zufrieden. ER will uns Seinen Lebensplan für uns Schritt für Schritt erkennen lassen. Lösen wir uns von der heimlichen Einbildung, wir hätten allein für unser Heil zu sorgen. GOTT rettet.
Pfr. Winfried Pietrek

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