Kein Abschied von der Hölle

Von der Hölle spricht man nicht mehr, auch in der Kirche nicht, höchstens noch aufklärerisch als von einer überwundenen Vorstellung des Mittelalters.

Für die Bibel aber existiert sie fraglos als eine Einrichtung, mit der man rechnen muß (70 Stellen). Und sie ist auch nicht leer, sondern bewohnt von Dämonen und verdammten Menschen. „Dort wird Heulen und Zähne­knirschen sein“ (Mt 13, 50).

Der Heils-Optimismus

Doch heute ist die Meinung weit verbreitet, daß alle Menschen in den Himmel kämen. Weil das Sünden-Bewußtsein schwach geworden ist, glauben viele, ohne Sünden zu sein. Und wo keine Sünden, da keine Strafen, und am wenigsten eine ewige Strafe. Auch redet man uns seit langem nur von unseren Rechten, nicht von unseren Pflichten. Und so scheint es dann, daß wir gar keine Pflichten besäßen und auch keine versäumen könnten.
Wer aber noch von Pflichten redet, von Sünden, Schuld und sogar von der Hölle, den wollen wir nicht hören, der gilt als Störenfried und Spielverderber. Es ist ein großer Erfolg des Teufels, uns eingeredet zu haben, daß es keine Hölle und keine Sünde gebe und wir alle, alle in den Himmel kämen. Auch an die Existenz des Teufels glaubt kaum noch einer. Und wie könnte es ohne Teufel eine Hölle geben?

Der Sinn des Lebens

Wenn es aber keine Hölle gibt und Gott am Ende doch alle Menschen in den Himmel holt, Heilige und Halunken, Opfer und Peiniger, Gläubige und Lästerer, dann ist alles gleichgültig und erlaubt, ganz ohne Bedeutung, weil ohne Folgen. Der Sinn des Lebens, daß wir uns den Himmel verdienen sollen, existiert nicht mehr. Doch das kann nicht sein. Das Leben spielt zwischen Himmel und Hölle. Wir müssen zwischen Himmel und Hölle wählen. Das macht den schrecklichen Ernst des Lebens aus. Und irgendwie weiß das jeder, wenn auch viele es verdrängen wollen.

Fazit

Die Hölle darf nicht sterben! Wir brauchen sie, um den Sinn des Lebens zu retten. Ohne sie versinkt alles in Bedeutungslosigkeit. Auch die Hölle hilft uns, in den Himmel zu kommen. Das ist ihr großer Dienst für uns.
Werner J. Mertensacker

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