Der Arzt von Nagasaki

In Nagasaki hört der Medizin-Professor Takashi Nagai (†1951) das Geläut der Kathedrale. Es ist kurz vor dem Abwurf der Atombombe 1945 durch die Amerikaner im 2. Weltkrieg.

Nagai, selbst noch nicht getauft, wird Anfang der 1930er Jahre Untermieter einer katholischen Familie, die er genau beobachtet, um das Christentum näher kennenzulernen. Während der 250-jährigen Verfolgung der Kirche in Japan ist ihr Haus geheimer Treffpunkt der Christen. Der Aufenthalt in dieser Familie öffnet weit das Herz des jungen Atheisten. Als 25jähriger Militär-Arzt muß er 1933 in den japanisch-chinesischen Krieg einrücken. Das Grauen prägt ihn. Nach seiner Heimkehr läßt er sich von einem Hausmeister, einem schlichten Katholiken, Konvertiten-Unterricht ge­ben. Trotz elterlicher und japanisch-traditioneller Widerstände läßt sich der junge Radiologe 1934 taufen. In seinem damals gefährlichen Beruf wird der Unermüdliche Professor. Jeder Patient ist ihm Bruder, für den er betet. Mediziner zu sein, sieht er als Berufung durch GOTT.

Nagasaki unter Beschuß

Von 1934 bis 1940 muß Prof. Nagai wiederum als Militär-Arzt einrücken. Nach seiner Heimkehr röntgt er wegen der weit verbreiteten Tuberkulose Zehntausende Patienten. 1945 bekommt er selbst Leukämi. Die Lebenserwartung damals: 2 bis 3 Jahre. Da trifft – am 9. August 1945 den Kranken ein Schlag, der ihn fast völlig umwirft: Die Atombombe. 72.000 Tote, 100.000 Schwerverletzte in Nagasaki. Aus den Trümmern herausgezogen, doch selbst verwundet, versorgt er dennoch Verletzte, bis er zusammenbricht. Sein Haus ist zertrümmert, seine Frau tot. Im Skelett ihrer rechten Hand findet er ihren geschmolzenen Rosenkranz. Später auch den Corpus des 250 Jahre alten Familienkreuzes. Prof. Nagais wissenschaftliche Arbeit ist zerstört. Eine Teehütte an den Trümmern seines Hauses wird seine Klause. Im Bett liegend, von einem Gestell unterstützt, schreibt er in seinen letzten 6 Lebensjahren 15 Bücher: Friede ist nur durch Liebe, Ehrlichkeit und Geduld zu erringen – auf echtem Glauben. Der Tenno besucht den „Nationalhelden“, der von Briefen und Besuchern überschwemmt wird. Einige 10.000 Briefe sind erhalten.

Arzt und Sühnopfer

Schon 1945 verfaßt Takashi Nagai ein Abschiedsgedicht. Da sagt ihm eine innere Stimme, er solle Pater Maximilian Kolbe (†1941 in Auschwitz) um Fürbitte anrufen. Einst hat der Radiologe den polnischen Nagasaki-Missionar und späteren Martyrer medizinisch behandelt. Der Professor ist überzeugt, daß er der Fürsprache von Pater Kolbe eine Besserung verdankt. Der Arzt hat den Mut, seinen fassungslosen Landsleuten zu erklären: Nagasaki ist ein von GOTT auserwähltes Sühneopfer für die Weltkriegssünden aller Nationen. 1951 stirbt der Tapfere mit dem Rosenkranz in der Hand, den ihm Pius XII. geschickt hat. 20.000 Trauernde kommen zum Requiem. Der Grabspruch, zuvor ausgesucht: „Wir sind unnütze Sklaven. Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk  17,10). Der Europäischen Ärzteaktion (A-5580 Tamsweg) ist zu danken, daß sie auf diesen großen Japaner in Wort und Schrift ausführlich aufmerksam macht.
Pfr. W. Pietrek

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